Aktuelles Forschungsprojekt

Ausstellung zu Lore Perls

„Du nimmst das, was da ist, und du nimmst es so wie es ist, was immer auch daraus werden mag. Und all die Erinnerungen, die auftauchen, wenn man den Fokus darauf legt, werden in diese Gegenwart mit hineingenommen und als unerledigte Erfahrung betrachtet, die hier und jetzt vollendet werden kann.“

-Lore Perls, 1972

So erzählt Lore Perls im Gespräch mit Daniel Rosenblatt einen der innovativen Aspekte ihrer Therapie. Sie etabliert einen völlig revolutionären Ansatz für die Psychotherapie. Die neue Behandlung der Therapeut-Patient-Beziehung zusammen mit der ständigen Bewegungsarbeit hat Dr. Lore Perls, ursprunglich aus Pforzheim, zu einem Symbol der modernen Psychologie und insbesondere der Gestalttherapie gemacht. Ihr Leben lang strebte sie vor allem nach dem Wissen und der Weisheit des Körpers und des Geistes. Für sechzig Jahre widmete sie ihre Kraft der Entwicklung ihrer therapeutischen Fähigkeiten und der sie begleitenden Theorie. Dennoch ist ihr Mann, Fritz Perls, bis heute die Identifikationsfigur der Gestalttherapie, während ihr Beitrag häufig unerwähnt bleibt, obwohl sie von Anfang an maßgeblich an der Entwicklung der Gestalttherapie beteiligt war. Lore Perls steht nämlich für einen ganz bestimmten, von Fritz abweichenden Stil: für liebevolle Aufmerksamkeit, für Einfühlungsvermögen und Unterstützung der KlientInnen in einer sehr bodenständigen Arbeit. Sie verkörpert die „mütterliche“ Dimension der Gestalttherapie. Also wesentliche Kennzeichen, die ihre Gestalttherapie so einzigartig und wirksam machen. Ihre Erfahrung mit Bewegungsarbeit und Tanz und deren therapeutischen Wirkungen ließen Lore nämlich die Körperdimension der Gestalttherapie begründen. Die Leib-Seele-Einheit war keine abstrakte Forderung von Lore, sondern Ausdrucks ihres positiven Lebensgefühls. Ihr grundlegender Beitrag blieb oft unerwähnt und die Verbundenheit, die Lore mit ihrem Land und ihrer Herkunftsstadt bis zum Ende spürte, gab die Idee zu der Ausstellung über ihr Leben und ihre Arbeit. Sie lebte intensiv jeden Moment ihres Lebens, Protagonistin ihrer Gefühle sowie ihrer Entscheidungen. Durch die entscheidenden Stationen in Lores Leben versteht man die wichtigen wissenschaftlichen Grundlagen ihrer therapeutischen Philosophie. So beginnt die Ausstellung, den Besucher durch die verschiedenen Szenarien und Momente ihres Lebens zu führen, um dann die wichtigsten Aspekte ihrer therapeutischen Methode in einer spontanen Genese nachzuvollziehen. Lore liebte es zu schreiben. In einem ihrer Interviews sagte sie, dass sie eine „Schreibblockade“ hätte. Trotzdem hinterließ sie viele Gedichte, Kurzgeschichten, Lob und Notizbücher. Ihre Fähigkeit der Kommunikation kann den Leser in die verschiedensten Ecken Lores-Selbst katapultieren. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit während des Besuchs, um einen Teil ihres Selbst zu lesen.

Die Gestalttherapie konzipierte Lore als Lebensstil. Bewegung, Tanz, ein ständige Gespräch mit ihrem Selbst, und die Überwindung aller inneren Hindernisse: „Therapie versteht sie [Laura Perls] als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die Aufgabe der Therapie sieht sie in der Herstellung einer existenziellen mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten, in der Nacherziehung und Umerziehung stattfindet.“ (Schneider K.) Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Forschung auf mehreren Ebenen: Zuerst in psychotherapeutischem Bereich, zum richtigen Verständnis von Lores Beitrag in der heutigen Wissenschaftslandschaft. Parallel dazu stand eine Erforschung der privaten Lebensphäre der Psychoterapeutin zur Rekonstruktion ihrer Biografie und zur Sammlung von Bildmaterial. Eine sorgfältige Lektüre des gesamten autobiografischen Materials, sowie Interviews und Geschichten, aber auch die zahlreichen Gedichte, Übersetzungen, Lieder, Lobeshymnen und Rezensionen, die sie schrieb, trug dazu bei, Lore in jeder Hinsicht kennenzulernen. Ein innovativer und interaktiver Ansatz kennzeichnet auch den größten Teil der Ausstellung. Die modernsten Theorien im museumspedagogischen Bereich werden insbesondere im Untergeschoss angewendet, das dem Wahrnehmungsprozess und der Wahrnehmung der Sinne gewidmet ist. Darüber hinaus werden dem Besucher mehrere "Experimente" angeboten, die es ihm ermöglichen, die Auswirkungen einiger der beliebtesten Methoden auf dem Gebiet der Psychotherapie zu probieren.

Die Ausstellung wird unter der Organisation von Angela di Costanzo voraussichtlich im Oktober im Lore-Perls-Haus in Pforzheim anlaufen.